• und wie einfache KPI-Systeme Silos wirklich aufbrechen

In großen Markenorganisationen und Agenturen mangelt es selten an Ideen.
Strategien sind da, Budgets auch – und trotzdem verlaufen Marketing-Maßnahmen oft zäher als nötig, werden teurer oder verlieren unterwegs an Wirkung.
Der Grund liegt selten in der Kreation.
Er liegt in fehlender Transparenz, unklaren Zuständigkeiten und Silos zwischen Teams, Stakeholdern und externen Partnern.
 
Aus meiner Erfahrung als Account Director möchte ich zeigen,
wie einfache, klare KPI-Strukturen dabei helfen können, genau diese Silos aufzubrechen – ganz ohne zusätzliche Tools oder komplexe Systeme.

Das typische Problem in Agenturen und großen Brands

In vielen Organisationen laufen Marketing-Projekte parallel:

  • unterschiedliche Kampagnen

  • verschiedene Ansprechpartner

  • mehrere Agenturen oder interne Teams

  • enge Timings und komplexe Freigabeprozesse

Was dabei oft fehlt, ist ein gemeinsames, übergreifendes Bild:

  • Wo stehen wir gerade?

  • Was läuft gut?

  • Wo hakt es?

  • Und warum eigentlich?

Ohne diese Transparenz entstehen schnell Schuldzuweisungen statt Lösungen –
und Silos verfestigen sich.

Ein Praxisbeispiel aus dem Account Management

In einem meiner Projekte haben wir genau hier angesetzt – bewusst pragmatisch, nicht theoretisch.

Die Grundlage: eine zentrale KPI-Übersicht

Wir haben eine einfache, aber sehr wirkungsvolle Liste geführt, die alle relevanten Marketing-Maßnahmen abgebildet hat – mit klar definierten Kriterien:

  • Ansprechpartner (Agentur, Brand, Einkauf)

  • Marketing-Aktion / Kampagne

  • Artikel / Maßnahme

  • Briefing-Datum, vollständig & rechtzeitig eingegangen (ja/nein)

  • Angebotsabgabe

  • Time to market

  • Auftrag – PO erhalten

  • Freigabezeiten (Brand / Legal / Einkauf)

  • Anzahl Korrekturschleifen

  • Budgetabweichungen

  • Lieferdatum, Einhaltung von Lieferterminen
  • Bemerkungen als Freitext (für Kontext, nicht nur Zahlen)

Diese Liste war für alle relevanten Stakeholder sichtbar – Agentur, Marketing, Einkauf.


Die Ampel-Logik: Komplexität runter, Klarheit rauf

Um die Daten schnell interpretierbar zu machen, wurde jede Maßnahme bewertet:

  • 🟢 Grün – alles läuft wie geplant

  • 🟡 Gelb – kleinere Schwierigkeiten, Klärungsbedarf

  • 🔴 Rot – Ziel verfehlt oder Prozess gescheitert

Wichtig:
Rot war kein Fehler, sondern ein Signal.
Nicht zur Bewertung von Personen – sondern zur Verbesserung von Prozessen.
 

Der entscheidende Schritt: Aus Daten wurden Erkenntnisse

Die Einzelbewertungen wurden prozentual ausgewertet:

  • Wie viel Prozent der Maßnahmen liefen grün?

  • Wo häufen sich gelbe Phasen?

  • Welche Art von Projekten rutschen besonders oft ins Rote?

So wurde sichtbar:

  • wo Prozesse gut funktionieren

  • wo strukturelle Probleme liegen

  • wo echtes Aufbaupotenzial besteht

Nicht gefühlt – sondern belegbar.


Wöchentliche Stakeholder-Meetings: Der Silobruch

Die eigentliche Wirkung entstand durch die wöchentlichen Meetings:

  • Agentur

  • Marketing

  • Einkauf

  • relevante interne Stakeholder

Gemeinsam wurde die Übersicht besprochen:

  • Was ist gelb – und warum?

  • Was ist rot – und was lernen wir daraus?

  • Welche Anpassungen brauchen Prozesse, Briefings oder Timings?

👉 Das Entscheidende:
Es ging nicht um Rechtfertigung, sondern um gemeinsame Optimierung.
 

Warum dieses System Silos auflöst

Dieses Vorgehen hatte mehrere Effekte:

  • Alle arbeiteten mit derselben Datenbasis

  • Probleme wurden früh sichtbar, nicht erst am Ende

  • Abteilungen verstanden besser, wo ihre Schnittstellen liegen

  • Einkauf wurde Teil der Lösung – nicht der Bremse

  • Vertrauen zwischen Agentur und Marke wuchs messbar

Silos verschwinden nicht durch Workshops allein.
Sie verschwinden, wenn Zusammenarbeit strukturell erleichtert wird.
 

Warum klassische KPIs oft nicht reichen

Große Brands messen häufig:

„Was kam am Ende raus?“

Aber sie messen nicht:

„Warum kam es so raus?“

Performance-KPIs zeigen:

  • Ergebnis

Deine KPI-Logik zeigt:

  • Ursache

 

 

Fazit

Wenn Marketing-Organisationen anfangen, gemeinsam auf dieselben KPIs zu schauen,
entsteht automatisch mehr Verständnis, bessere Zusammenarbeit und letztlich mehr Wirkung.
 
Nicht, weil alles perfekt läuft –
sondern weil sichtbar wird, wo man gemeinsam besser werden kann.